DISS-Kolloquium 2017: Perspektiven einer „Kritischen Rechtsextremismusforschung“

Nach der Wahl:
Perspektiven einer „Kritischen Rechtsextremismusforschung“

Das Kolloquium 2017 der Gesellschaft für Politische Bildung (Würzburg) und des DISS, diesmal in Kooperation mit FORENA, findet kurze Zeit nach der Bundestagswahl statt. Es liegt nahe, mit Blick auf die Wahl ein Kolloquium durchzuführen, das dem Rechnung trägt, dass zum ersten Mal seit den 1950er Jahren wieder eine rechtsgerichtete Partei in den Bundestag einziehen könnte. Das, was der NPD und den Republikanern nie gelungen ist, könnte die AfD mit einer aus heutiger Sicht hohen Wahrscheinlichkeit erreichen: ein rechtskonservatives bis extrem rechtes Wählerpotential erfolgreich zu bündeln und im Bundestag zu repräsentieren.
Aber auch wenn die AfD nicht den Einzug in das Parlament schaffen sollte, halten wir es für angebracht, einmal grundsätzlich über Konzepte der Rechtsextremismusforschung nachzudenken. Dabei teilen wir die grundsätzliche Kritik am dominanten Typus der Rechtsextremismusforschung und an dessen normative Gebundenheit an staatspolitische Vorgaben: Erstens vernachlässigt eine solche Forschung den Umstand, dass rassistische, antisemitische und antidemokratische Sichtweisen auch in der vielbeschworenen ‚Mitte der Gesellschaft’ anzutreffen seien. Zweitens wird damit die binäre Unterscheidung von ‚Demokratie’ und ‚Extremismus’ in Frage gestellt. Drittens erklärt die unterstellte Parallelität von Links- und Rechtsextremismus unterschiedliche Motive, Ziele, Entstehungshintergründe und gesellschaftlichen Folgen dieser so benannten Phänomene in Hinblick auf ihre politische und verfassungsrechtliche Beurteilung für sekundär oder gar irrelevant. Und viertens neigt solche Rechtsextremismusforschung aufgrund ihrer Gebundenheit an die Perspektive des staatlich-politischen Systems dazu, die von ihr untersuchten Phänomene für selbstevident zu halten und deren gesellschaftlich produzierten Ursachen zu vernachlässigen.
Alternative Forschungsansätze müssen sich daher in einem doppelten Sinne als kritisch verstehen: einerseits als Kritik der Rechtsextremismusforschung (in dem besagten Sinne), andererseits als gesellschaftskritische Aufarbeitung der Phänomene, um die es in dieser Forschung geht. Das Anliegen des diesjährigen Kolloquiums ist es daher, einen Beitrag zu einer „kritischen Rechtsextremismusforschung“ zu leisten. Die Aufgabe kritischer Rechtsextremismusforschung ist es, die aktuellen Entwicklungen des Rechtsextremismus in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und im Bewusstsein der ‚Erblasten’ der Geschichte zu untersuchen. Die komplexen synchronen und diachronen Verschränkungen machen es erforderlich, unterschiedliche kritische Ansätze und Perspektiven und deren jeweiligen Vorzüge zu berücksichtigen und zu vermitteln. Die Intention, mit der dies erfolgen sollte, ist keine rein wissenschafts- und theorieimmanente, sondern zielt auf eine vernünftige und solidarische Gestaltung der Gesellschaft.

Seminarteam:
Amelie Scheder, Akademie Frankenwarte, Würzburg
Helmut Kellershohn, DISS, Duisburg
Alexander Häusler, FORENA Hochschule Düsseldorf

Referierende:
Richard Gebhardt, freier Autor, Köln
Christoph Kopke, Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin
Juliane Lang, Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus, Berlin
Andreas Kemper, Soziologe und freier Autor, Münster
Matthias Quent, Direktor des Instituts Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ), Jena
Sebastian Reinfeldt, Politikwissenschaftler, Wien
Fabian Virchow, FORENA Hochschule Düsseldorf
Regina Wamper, DISS, Duisburg

 

Vortrag von Ismail Küpeli im DISS, 13.10.2017

Foto: http://ismail-kupeli.eu/

Schrittweise in die Autokratie: Die Türkei unter der AKP

Ein Vortrag des Politikwissenschaftlers und Historikers Ismail Küpeli im DISS (Siegstraße 15, 47051 Duisburg) am 13.10.2017, um 19:00 Uhr.

Eine Veranstaltung des DISS in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW

 

Die Politik von Recep Tayyip Erdogan und seiner Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) zielte von Beginn an auf die Frage, wie Regierungsmacht zu erlangen und zu erhalten ist. Darin unterscheiden er und seine AKP sich kaum von anderen PolitikerInnen und Parteien. Aber anders als demokratische Akteure setzten sie seit der Regierungsübernahme 2002 darauf, ihre Macht auch mit nicht demokratischen und nicht-rechtstaatlichen Mitteln zu sichern. Dazu gehört auch die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei, was die Abschaffung der Demokratie und die Etablierung einer Autokratie bedeutet. Im türkischen Präsidialsystem ist weder eine Gewaltenteilung noch ein System konkurrierender Machtblöcke und Institutionen vorgesehen, das eine Alleinherrschaft verhindern kann. Die AKP unter Erdogan hat sich auf eine tiefgreifende Umgestaltung der Türkei Richtung Autokratie festgelegt und wird dieses Projekt weiterverfolgen, solange sie an der Macht ist.

Ebenfalls Teil der Machtsicherung ist die islamisch-konservative Gesellschaftspolitik. So hat die AKP in den staatlichen und nicht- staatlichen Bildungs- und Sozialeinrichtungen eine ganze Generation geprägt, deren Weltanschauung regierungskonform ist. Es geht der Regierungspartei aber nicht um die Etablierung eines islamistischen Staates, wie manche Oppositionelle der AKP vorwerfen. Das türkische Regime beruht ideologisch weniger auf dem Islamismus als vielmehr auf einer türkisch-islamischen Synthese, die den klassischen türkischen Nationalismus mit dem Islam zu einem neuen „volksnahen“ Nationalismus transformiert hat.

Diese Veranstaltung wird in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg Stiftung NRW durchgeführt.

Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung per Email an: zakaria.rahmani@diss-duisburg.de

DISS Workshop Kritische Diskursanalyse

Am 4. und 5. Oktober 2017 findet in Duisburg ein Workshop zur Einführung in die Kritische Diskursanalyse statt.

Er richtet sich an WissenschaftlerInnen sozial- und geisteswissenschaftlicher Disziplinen, die diskursanalytisch arbeiten oder arbeiten wollen. Darüber hinaus wendet er sich an Personen, die sich beruflich mit diskursiven Phänomenen befassen – also z.B. an JournalistInnen, LehrerInnen und BildungsarbeiterInnen.

Nähere Informationen zum Inhalt, Ablauf und zur Anmeldung finden Sie hier.

Die TeilnehmerInnenzahl ist auf 30 Personen begrenzt. Bitte melden Sie sich an.

Tagung 12.3.2016: Stimmungsmache gegen Roma – Das Beispiel Duisburg

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Stimmungsmache gegen Roma – Das Beispiel Duisburg

Strategien und Konzepte gegen Antiziganismus

Wann:
12. März 2016
11 bis 18 Uhr

Wo:
Treffpunkt Stollenpark,
Bergmannstr. 51, Dortmund

 

 

Duisburg inszeniert sich als Problemstadt statt als Ankunftsstadt.
Oberbürgermeister Sören Link äußerte im Herbst 2015: „Ich hätte gerne
das Doppelte an Syrern, wenn ich dafür ein paar Osteuropäer abgeben könnte.“

Link ließ zwar offen, wer mit der Bezeichnung „Osteuropäer“ gemeint war.
Durch den vorangegangenen Mediendiskurs war die Duisburger
Öffentlichkeit aber so geprägt, dass nur „Roma aus den Balkanländern“
verstanden werden konnte.

Die Ressentiments gegen in Duisburg lebende Roma sind stärker als die
gegen jede andere Bevölkerungsgruppe. Sie werden behandelt als Menschen
dritter Klasse. Ausgrenzung, Diskriminierung und Ausbeutung prägen ihren
Alltag. Vermieter_innen, Arbeitgeber_innen, Behörden, Medien und Polizei
reaktualisieren und verstärken die jahrhundertealten Stereotype und
Vorurteile. Die Stimmungsmache gegen Roma radikalisiert den ohnehin
schon weit verbreiteten Alltagsrassismus in beträchtlichen Teilen der
Duisburger Bevölkerung. Die extreme Rechte ist Nutznießerin dieser
Entwicklung und trägt ihren Teil dazu bei, die Lage zuzuspitzen.

Doch was kann das „Andere Duisburg“, das es ja zweifellos auch gibt,
tun, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken?

Dieser Frage wollen wir im Rahmen unserer Tagung nachgehen.

Programm

11:00 Grußwort von Wilhelm Solms (GfA)

11:20 Martin Dietzsch, Alexandra Graevskaia (DISS):
Vorstellung der Ergebnisse der Broschüre „Stimmungsmache“ und neuer
Entwicklungen in Duisburg seit ihrem Erscheinen

12:00 Zakaria Rahmani (DISS):
Die Migration aus Osteuropa in regionalen und lokalen Medien

13:00 Mittagspause

14:00 Elizabeta Jonuz (GfA):
Was die Städte eigentlich machen müssten. Kritik und Alternativen zu den
Handlungskonzepten der Städte in Bezug auf Einwanderung aus Südosteuropa

14:40 Ismail Küpeli (freier Journalist):
Antirassismus und die Linke

15:20 Ismeta Stojkovic:
Wie können Selbstorganisationen,
Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen gegen Antiziganismus agieren?

16:00 Kaffeepause

16:30 Podiumsdiskussion: Strategien
und Konzepte gegen Antiziganismus mit:
Tülin Kabis-Staubach (Planerladen Dortmund)
N.N. (ARIC NRW)
Ismeta Stojkovic (Terno Drom)

18:00 Ende der Veranstaltung

Leitung: Alexandra Graevskaia(DISS) und Elizabeta
Jonuz (GfA)

Moderation: Udo Engbring-Romang (GfA)

 

 

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu
machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen
angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der
Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder
sonstige menschenverachtenden Äußerungen in Erscheinung getreten sind,
den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser
auszuschließen. (§ 6 VersammlG)

Die Tagung wird ausgerichtet von:

Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung

Gesellschaft für Antiziganismusforschung

Rosa Luxemburg Stiftung NRW

Terno Drom

Die Teilnehmer_innenzahl ist begrenzt.
Bitte melden Sie sich kostenlos an über:

RLS Nordrhein-Westfalen
Hedwigstr. 30 – 32
47058 Duisburg
Telefon: 0203 3177392
E-Mail: post@rls-nrw.de

Ein Online-Formular zur Anmeldung finden Sie hier:
http://www.nrw.rosalux.de/event/54851/stimmungsmache-gegen-roma-das-beispiel

Den Flyer zur Tagung finden Sie HIER als PDF-Datei

DISS-Colloquium 2015: Rechte Wutbürger im Kulturkampf

coll2015Die Gesellschaft für Politische Bildung e.V. veranstaltet in Kooperation mit dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung e.V. (DISS) vom 6. bis 8. November 2015 in die Akademie Frankenwarte Würzburg ein zum Thema „Rechte Wutbürger im Kulturkampf“.

In Deutschland sind Protestbewegungen von rechts laut und deutlich geworden, sichtbar bei den „Pegida“-Demonstrationen und poli-tisch in Verbindung mit der neuen Partei AfD. Das Seminar widmet sich den Wurzeln der Protestbewegungen und der Fragestellung, wie man die aktuellen Konturen eines Kulturkampfes von rechts umreißen kann und inwieweit es hegemoniefähige Gegenkonzepte von links gibt.

Geplante Vorträge:

  • Neoliberalismus, politische Romantik und völkischer Nationalismus
    Wolfgang Kastrup, Helmut Kellershohn
  • Rechte Wutbürger und die schmutzige Seite der Zivilgesellschaft
    Lars Geiges
  • Sächsische Verhältnisse. Pegida, AfD und die Linke
    Kerstin Köditz
  • Zur Lage der AfD im Vorfeld der Landtagswahlen 2016 und der Bundestagswahlen 2017
    Alexander Häusler
  • Die Identitären. Nationale und inter-nationale Kontexte einer neurechten Jugendbewegung
    Natascha Strobl
  • Putin hilf! Russlandbilder zwischen politischer Romantik und geopolitischem Kalkül
    Helmut Kellershohn
  • Lügenpresse. Über ein massenwirksames verschwörungstheoretisches Konstrukt
    Rolf van Raden
  • Christlich-Fundamentalistischer Aufstand in Baden-Württemberg. Der Kampf gegen reproduktive Rechte
    Andreas Kemper
  • Das Dilemma der Islamdebatte
    Floris Biskamp
  • Migration als umkämpftes Feld
    Inva Kuhn
  • Abschlussdiskussion
    Was tun angesichts einer drohenden Machtverschiebung nach rechts?

Veranstaltung: „Das Boot ist voll“ – Was die Sprache in den Medien verrät

DISS-Mitarbeiter Rolf van Raden spricht am 29.9. auf einer Veranstaltung des Bochumer Forums für Antirassismus und Kultur e.V.

“Das Boot ist voll“: Was die Sprache in den Medien verrät

Dienstag, 29.09.2015, 18 Uhr

Pegida-Demos, bedrohte Kommunalpolitiker*innen, brennende Flüchtlingsunterkünfte und eine weitere Verschärfung des Asylrechts kurz vor der Sommerpause: In Deutschland findet der Rassismus wieder Ausdrucksformen, die viele bereits für überwunden hielten. Auch Journalistinnen und Journalisten müssen sich fragen lassen, welche Rolle ihre Berichterstattung bei der aktuellen Zuspitzung von Ausgrenzungsdiskursen spielt.

Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung analysiert seit mehr als 25 Jahren die Medienberichterstattung zu Rassismus und Einwanderung in Deutschland. Im Frühjahr hat das Institut gewarnt, dass aktuell wieder verstärkt Bilder und Vorstellungen in den Medien transportiert werden, die der rassistischen Mobilmachung vor den Pogromen der frühen 1990er Jahren gleichen. Der Vortrag beschäftigt sich mit den Kontinuitäten und Brüchen dieser Bilder und fordert einen grundlegenden Perspektivenwechsel bei der Berichterstattung über Flucht und Einwanderung.

Referent:
Rolf van Raden ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung.

Ort:
IFAK e.V., Engelsburgerstr. 168, 44793 Bochum

VeranstalterInnen:
Bochumer Forum für Antirassismus und Kultur – BoFo e.V., IFAK e.V., Flüchtlingsrat NRW e.V.

Veranstaltung: Tagung zur Medienberichterstattung über Griechenland

Am Freitag, 26. Juni 2015, findet eine Tagung der Fakultät für Kulturwissenschaften an der TU Dortmund statt zum Thema

Wie ‚einäugig‘ ist die deutsche Medienberichterstattung zu Griechenland?
Kultur- und Medienwissenschaftliche Analysen

Im Rahmen dieser Tagung werden auch zwei Mitarbeiterinnen des DISS referieren.
Margarete Jäger und Regina Wamper sprechen zum Thema:
Von Schuljungen, Halbstarken und Reuro-Rebellen
Der Griechenlanddiskurs in der Süddeutschen Zeitung.

Ort:
Technische Universität Dortmund
Internationales Begegnungszentrum
Emil-Figge-Str. 59
44227 Dortmund

Die weiteren Vorträge entnehmen Sie bitte dem hier abgebildeten Tagungsflyer (für eine vergrößerte Darstellung bitte auf die Abbildung klicken).

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P.S.: Der Vortrag von Jürgen Link ist inzwischen als Video abrufbar: Die deutschen Mainstreammedien und Griechenland. Arbeit an der Normalisierung einer ’nicht normalen‘ Regierung

 

Veranstaltung: Das Boot ist voll – was die Sprache der Medien verrät

Die Gewerkschaft ver.di und die Uni Duisburg-Essen führen derzeit eine Veranstaltungsreihe durch:  „Schick oder Schock: Wie salonfähig ist der Nationalismus in Deutschland?“.

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Am Mittwoch, 17. Juni 2015,  lautet das Thema „Das Boot ist voll: Was die Sprache in den Medien verrät“.

Nach einem Input-Referat von DISS-Mitarbeiter Rolf van Raden folgt eine Podiumsdiskussion mit dem WAZ-Kulturressortleiter Jens Dirksen, dem Chefredakteur von Radio Oberhausen/Radio Mülheim Olaf Sandhöfer-Daniel, sowie Ralf Makrutzki, der das Essener WDR-Studio leitet.

Beginn: 19 Uhr, im DGB-Haus Essen. Der Eintritt ist frei, vorherige Anmeldung unter fb08.essen@verdi.de oder Tel. 02 01 / 24 75 254.

Pressemitteilung der Uni Duisburg-Essen
Der Veranstaltungsflyer zum Download

Buchvorstellung von Jürgen Link am 8.5. im DISS

Am Mittwoch, den 8. Mai  um 19 Uhr wird Jürgen Link im DISS sein neues Buch „Normale Krisen. Normalismus und die Krise der Gegenwart“ vorstellen.

In einem Vortrag wird er am Beispiel der Auslassungen von Thilo Sarrazin auf die Bedeutung der Unterscheidung von flexiblen und protonormalistischen Regulationsstrategien eingehen. Darüber hinaus wird er am Beispiel der aktuellen Krise das Wirken unterschiedlicher Normalitätsklassen demonstrieren. So können wir derzeit die Herabstufung der südeuopäischen Länder in eine niedrigere Normalitätsklasse mit all ihren verheerenden sozialen Folgen beobachten. Dabei ist die Rolle der deutschen Politik besonders zu bewerten, da diese sich in diesem Prozess nicht nur als die hegemoniale Kraft in Europa positioniert, sondern sich darüber hinaus als Weltmacht zu etablieren versucht. Diese Entwicklungen sind nicht nur ökonomisch, sondern auch kulturell von großer Bedeutung und können mit dem Konzept des Normalismus analysiert und kritisiert werden.

Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion mit Jürgen Link.

Vortrag über „Casa Pound“ am 9.4. im DISS

Diskussion / Vortrag
09.04.2013 | 19:00 Uhr
Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, Duisburg
Mit Saverio Ferrari, Osservatorio Democratico, Mailand

«Casa Pound»: Italiens «Faschisten des 3. Jahrtausends»
Saverio Ferrari von dem antifaschistischen Dokumentationszentrum «Osservatorio Democratico» in Mailand berichtet über die rechte Sozialbewegung in Italien.

Ausgehend von einem Kulturzentrum in Rom, benannt nach dem US-Poeten und Mussolini-Unterstützer Ezra Pound, hat eine nationalrevolutionäre, soziale Bewegung namens «Casa Pound» in den zurückliegenden 10 Jahren einen ebenso bemerkenswerten wie beängstigenden Aufstieg erlebt. Ihre ProtagonistInnen bezeichnen sich selbst als «I fascisti del terzo millenio», als Faschisten des 3. Jahrtausends.

«Casa Pound» nach  betätigt sich außerordentlich stark in jugendkulturellen Bereichen, agitiert und organisiert junge Erwachsene und sieht sich als non-konforme Avantgarde einer neofaschistischen kulturellen Revolution.

Ihre AktivistInnen besetzen Häuser für rechte Sozialzentren und organisieren Müttervereinigungen, karitative Sammlungen für Obdachlose und Waisenhäuser, sowie humanitäre Hilfe für Erdbebenopfer in Italien und NGOs im Ausland. Sie protestieren für Sozialtickets, gegen Entlassungen und Steuererhöhungen und agitieren äußerst aggressiv gegen Kapitalismus und Neoliberalismus und für ihren Entwurf eines starken autarken «Sozialstaats des 3. Weges», fernab von Kapitalismus und Kommunismus. Dafür bedarf es ihrer Meinung nach einer italienischen und europäischen Identität, die sich nur ohne Immigration gewährleisten ließe.

Um mehr über diese Bewegung im Kaleidoskop der italienischen Rechten und ihre Wirkmächtigkeit in der italienischen Gesellschaft zu erfahren, laden wir zum Vortrag von Saverio Ferrari vom Osservatorio Democratico, einem antifaschistischen Dokumentationszentrum in Mailand ein.

Weitere Veranstaltungen:

Berlin, 11. April 2013, 19 Uhr
Leipzig, 13. April 2013, 19 Uhr

Eine Veranstaltung der Rosa Luxemburg Stiftung, in Kooperation mit DISS, linXXnet Leipzig, Azzoncao

Den Flyer zur Veranstaltung gibt es hier: Casa-Pound-Vortragsveranstaltung