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Zollverein contra Contra-NRW

 
 

Förderturm Zollverein

Zivil­cou­rage gegen Rechts
Die Stif­tung Zoll­ver­ein wehrt sich erfolg­reich gegen die Jugend­or­ga­ni­sa­tion von PRO-NRW

Autor: Lenard Suermann

Bei den Lan­datgs­wah­len am 9. Mai in NRW bemüht sich die extreme Rechte wie­der ein­mal, die Ein-Prozent-Hürde zu über­sprin­gen, um an die Wahl­kampf­kos­ten­er­stat­tung her­an­zu­kom­men.1 Außer den Repu­bli­ka­nern und der NPD steht zum ers­ten Mal auch die „Bür­ger­be­we­gung PRO-NRW“ auf dem Wahl­zet­tel. Neben der Fokus­sie­rung auf eine popu­lis­tisch auf­be­rei­tete Islam­feind­lich­keit ist das Bemü­hen die­ser Par­tei cha­rak­te­ris­tisch, in der „bür­ger­li­chen Mitte“ anzu­do­cken. Dies geschieht nicht zuletzt über die Insze­nie­rung eines schein­bar harm­lo­sen Lokalpatriotismus:

Die Stärke der Men­schen hier grün­det in der regio­na­len Viel­falt der West­fa­len und Rhein­län­der, der Sau­er­län­der und Sie­ger­län­der, und nicht zuletzt der Arbei­ter im Ruhr­ge­biet, denen Deutsch­land den Wie­der­auf­stieg zur Indus­trie­na­tion nach dem Zwei­ten Welt­krieg maß­geb­lich mit zu ver­dan­ken hat.“2

Obwohl die „Bür­ger­be­we­gung“ ihre ras­sis­ti­sche Aus­rich­tung nur ober­fläch­lich tarnt, wer­den sie in der Medi­en­be­richt­er­stat­tung oft nicht ein­deu­tig der extre­men Rech­ten zuge­ord­net. Ihre Akti­vis­ten beste­hen gleich­wohl zu einem guten Teil aus ehe­ma­li­gen Par­tei­gän­gern extrem rech­ter Par­teien. Umso wich­ti­ger ist es für sie, dass das ange­strebte bürgerlich-konservative Image mit anschluss­fä­hi­gen Tra­di­ti­ons­li­nien unter­füt­tert wird.

Dies dachte sich wohl auch die Ruhrgebiets-Sektion der Jugend­or­ga­ni­sa­tion von PRO-NRW. Den regio­na­len Bezug auf deren auf den ers­ten Blick wenig radi­kal wir­ken­den Inter­net­auf­tritt sollte die Abbil­dung des Doppelbock-Förderturms der Esse­ner Zeche Zoll­ver­ein schaf­fen. Als Teil des Ban­ners fiel der cha­rak­te­ris­ti­sche För­der­turm sofort ins Auge. Die­ser steht nicht nur für die indus­tri­elle Ent­wick­lung der Region, denn nach der Still­le­gung wan­delte sich die Zeche zu einem Zen­trum für Kunst und Kul­tur. Dass die PRO-Jugend aller­dings einen ande­ren Kul­tur­be­griff pflegt, wurde bereits im Begrü­ßungs­text deut­lich. Unter ande­rem heißt es dort:

Wir haben keine Lust auf Kri­mi­na­li­tät, Arbeits­lo­sig­keit, Aus­beu­tung und den Ver­lust unse­rer Kul­tur und deren abend­län­di­schen Werte. Wir wol­len end­lich wie­der in einem Deutsch­land leben, indem man sich auch noch nachts raus trauen kann und sich zu sei­ner Kul­tur beken­nen darf, ohne gleich abge­stem­pelt zu wer­den. Waren es einst Tugend und Werte die uns zum Volk der Dich­ter und Den­ker machte, so rich­ten uns heute Mul­ti­kulti, Über­frem­dung, Links­ex­tre­mis­mus und Dro­gen hin. (…) Besinne Dich zurück auf unsere Werte und Kämpfe auch Du für ein zukunfts­si­che­res Deutsch­land, indem es sich noch lohnt als Ein­hei­mi­scher zu woh­nen und zu leben.“3

Und in ihrem Par­tei– und Wahl­pro­gramm for­dert PRO-NRW:

[…] eine klare Absage an die Unter­stüt­zung avant­gar­dis­ti­scher Pro­jekte, die für den Nor­mal­bür­ger nicht von Inter­esse sind. Die Avant­garde ver­dient den Respekt der Lan­des­re­gie­rung – aber keine Aus­stat­tung mit Steu­er­mit­teln […]„4

Nach­dem die Stif­tung Zoll­ver­ein auf die­sen Miss­brauch hin­ge­wie­sen wurde, mahnte diese die jugend­li­chen Kul­tur­pes­si­mis­ten umge­hend ab und drohte mit juris­ti­schen Schrit­ten. Letz­tere gaben klein bei und begnü­gen sich seit­her mit einer recht kar­gen, weil teils lee­ren „Welt­netz­seite“ – ohne Förderturm.

Bildschirmfoto

PRO-Seite ohne För­der­turm, Bild­schirm­foto 25.2.2010

Der AK-Rechts des DISS gra­tu­liert der Stif­tung Zoll­ver­ein für das cou­ra­gierte und kon­se­quente Handeln!

  1. vgl. dazu Tho­mas Sager: Revier­kämpfe, in bnr 4/2010, http://www.bnr.de/content/revierkaempfe []
  2. prowaehlen.wordpress.com/pro/ []
  3. www.ruhrgebiet-jugend.de/index.html []
  4. http://www.pro-nrw.org/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=260 []

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