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DJ19: Transparenz und Umgestaltung

Die­ser Arti­kel stammt aus der Aus­gabe 19 des DISS-Journal, die im Juni 2010 erschien. Hier fin­den Sie das kom­plette DISS-Journal 19 als PDF-Datei (8 MB)

Trans­pa­renz und Umgestaltung

Die recht­li­che Auto­no­mie der katho­li­schen Kir­che ist unhalt­bar geworden

Autor: Jobst Paul

In sei­ner Kar­frei­tags­an­spra­che (am 2. April 2010 im Peters­dom) meinte der ‚Pre­di­ger des Päpst­li­chen Hau­ses‘, P. Rani­ero Can­tal­amessa, der Zeit­punkt sei gekom­men, die ‚Ver­ge­bungs­bitte für kol­lek­tive Schuld‘ aus­zu­spre­chen — nicht wegen „der Gewalt gegen Kin­der, mit der sich lei­der auch Ele­mente des Kle­rus befleckt“ hät­ten, denn davon sei „drau­ßen genug die Rede“. Viel­mehr ginge es um die „Gewalt gegen die Frauen“, für die die männ­li­che „Hälfte der Mensch­heit“ um Ver­ge­bung bit­ten solle. In einer wei­te­ren über­ra­schen­den Wen­dung nahm Can­tal­amessa für die Kir­che in Anspruch, in der Nach­folge Christi die Gewalt über­wun­den zu haben: DJ19: Trans­pa­renz und Umge­stal­tung’ weiterlesen …

Johann Jacoby, Bürgerrechtler

DISS-Vortrag in Hattingen

Fast auf den Tag zum 205. Geburts­tag, am 2. Mai 2010, erin­nerte Jobst Paul (DISS) in einem Vor­trag in Hat­tin­gen an die denk­wür­dige Bio­gra­phie des Königs­ber­ger Arz­tes, Publi­zis­ten und Bür­ger­recht­lers Johann Jacoby (1805–1877). Jacoby, der zwi­schen 1840 und 1870, also über Jahr­zehnte für soziale Gerech­tig­keit, aber auch für Frei­heits­rechte kämpfte und zeit­weise zum per­sön­li­chen Gegen­spie­ler Bis­marcks wurde, wollte zwar als nicht-religiöser Jude ver­stan­den wer­den, ori­en­tierte sich aber gleich­wohl an den kon­se­quen­ten Gleich­heits­theo­re­men der jüdi­schen Sozi­al­ethik. Ruth Jacoby, die schwe­di­sche Bot­schaf­te­rin in Ber­lin und Ver­wandte Johann Jaco­bys, war in Hat­tin­gen anwe­send.1

Johann Jacoby – Bürgerrechtler

Johann Jacoby hat sich zeit­le­bens extreme mensch­li­che und poli­ti­sche Span­nun­gen zuge­mu­tet, oder bes­ser: er hat sich oft kom­pro­miss­los in die Span­nun­gen sei­ner Zeit hin­ein­ge­wor­fen. Es ist des­halb kein Wun­der, wenn diese Span­nun­gen auch noch ganz am Schluss, näm­lich bei Jaco­bys Begräb­nis am 11. März 1877, aufbrachen:

Schon Mit­tags – so ein Augen­zeuge — war das Volk von Königs­berg auf dem Uni­ver­si­täts­platze und in den umlie­gen­den Stra­ßen in unzäh­li­gen Mas­sen erschie­nen; Deputa­tionen der socia­lis­ti­schen Par­tei Deutsch­lands, der Arbei­ter Ber­lins, Bres­laus, Ham­burgs, Cölns, Braun­schweigs und ande­rer Städte, der Arbeiter­frauen Ber­lins, der „Ber­li­ner Freien Presse“, der „Frank­fur­ter Zei­tung“, sowie Abge­sandte der demo­kratischen Ver­eine von Ber­lin und von Frank­furt a. M., vom Königs­ber­ger Hand­wer­ker­ver­ein, von der schwäbi­schen Volks­par­tei u. s. w., u. s. w. hat­ten sich vor dem Hause Jacoby’s auf­ge­stellt und hiel­ten rie­sige Lor­beer­kränze in den Händen.“

Berich­tet wird von 5000 Trau­er­gäs­ten allein in Königs­berg (Gedenk­ver­an­stal­tun­gen gab es auch in ande­ren deut­schen Städ­ten). Ursprüng­lich plan­ten die Ver­tre­ter der „Fort­schritts­par­tei“ eine Art Kund­ge­bung am Grab. Da aber die jüdi­sche Gemeinde dort nur kurze Erklä­run­gen dul­dete, dräng­ten sie sich schon zuvor, näm­lich „hin­ter dem Lei­chen­wa­gen mög­lichst auf­fäl­lig in den Vordergrund.“

Die jüdi­sche Gemeinde befürch­tete aber auch eine innere Zer­reiß­probe. Jacoby hatte sich stets als nicht-religiös posi­tio­niert. Wie sollte sich Rab­bi­ner Isaac Bam­ber­ger in sei­ner Anspra­che dazu stel­len? ‚Johann Jacoby, Bür­ger­recht­ler’ weiterlesen …

  1. Vgl. auch: Der Westen: Johannes-Gemeinde.  Schwe­di­sche Bot­schaf­te­rin zu Besuch, Hat­tin­gen, 03.05.2010, Hen­drik Stei­mann []