Neuerscheinung: Saul Ascher

Der zweite Band der Edition Deutsch-Jüdische Autoren des 19. Jahrhunderts. Schriften zu Staat, Nation, Gesellschaft ist erschienen:

Saul Ascher: Ausgewählte Werke. Herausgegeben von Renate Best. Köln: Böhlau 2010, 326 S., 39.90 €.

[Deutsch-jüdische Autoren des 19. Jahrhunderts. Schriften zu Staat, Nation, Gesellschaft. Werkausgaben. Herausgegeben von: Michael Brocke, Siegfried Jäger und Jobst Paul, Band 2]

Link zum Verlag:

http://www.boehlau.at/978-3-412-20451-8.html

Der Philosoph und Schriftsteller Saul Ascher (1767-1822) gehört zum Berliner Kreis der jüdischen Aufklärung, der Haskala, in der Epoche von Moses Mendelssohn und Immanuel Kant. Als jüdischer Intellektueller in Preußen kritisierte er innerjüdische Zustände, aber auch gefährliche Tendenzen der Gesellschaft allgemein: Ascher reagierte als einer der ersten mit scharfen, ironischen Essays auf die neue, in Sprache und Haltung bis dato beispiellose Judenfeindschaft, die sich unter jungen christlichen Intellektuellen in Berlin ausbildete und die sich bald in der völkischen Bewegung fortsetzte.

Doch auch in Richtung der Berliner Jüdischen Gemeinde entwickelte Ascher unabhängige Vorstellungen von jüdischer Integration, er war einer der ersten Reform-Theoretiker des Judentums und er veröffentlichte seine originellen politischen Vorstellungen über Judentum, Christentum und Deutschtum in diversen Zeitschriften.

Der Band zeigt Aschers Haltung des unerschrockenen freien Schriftstellers schon anhand seiner ersten Schrift. In seinem Essay Bemerkungen über die bürgerliche Verbesserung der Juden, veranlaßt bei der Frage: Soll der Jude Soldat werden? (1788) bestreitet Ascher dem österreichischen Kaiser Joseph II. kurzerhand das Recht, von Juden Militärdienste zu fordern, solange ihnen bürgerliche und politische Rechte vorenthalten werden.

In den drei weiteren, im Band neu abgedruckten Schriften aus den Jahren 1792, 1802, und 1818 wendet Ascher seinen politologischen Scharfsinn auf die künftige Rolle des Judentums und des Christentum und auf die Frage einer wirklichen Revolution der politischen Verhältnisse.

Obwohl Ascher durch seine publizistischen Interventionen stets Aufsehen erregte (er saß sogar im Gefängnis), blieb seine Biographie bisher nur in Bruchstücken bekannt. Der Herausgeberin Renate Best ist es gelungen, über die Auswertung neuer Quellen und eines umfangreichen Archivs völlig neue Aspekte der Biographie Aschers herauszuarbeiten. So ist nun die enge Bekanntschaft zwischen Ascher und Heinrich Heine zwischen 1821 und 1823 gesichert.

Die Herausgeberin Renate Best ist Literatur- und Politikwissenschaftlerin sowie Historikerin mit dem Forschungsschwerpunkt deutsch-jüdische Geschichte.

Die Edition basiert auf der interdisziplinären Kooperation zwischen dem Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen und dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.