Netzfundstücke: Teddys gegen Kriegsverherrlichung

Auf der Seite des Westdeutschen Rundfunks erschien im Themenschwerpunkt zum Ersten Weltkrieg ein Beitrag von Sabine Tenta über die Kriegsdenkmäler auf dem Duisburger Kaiserberg.

In nahezu jedem Ort erinnert auch 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein Kriegsdenkmal an das Ereignis. Auf dem Duisburger Kaiserberg stehen mehrere umstrittene Denkmäler. Sie locken Neonazis an, wecken aber auch kreativen Bürgerprotest.

Die Autorin sprach u.a. mit DISS-Mitarbeiter Martin Dietzsch. Zum Gedenkklotz von 1933 heißt es:

Auf dem Duisburger Kaiserberg, einer weitläufigen Parkanlage im Stadtteil Duissern, befindet sich ein Denkmal aus dem Jahr 1933 mit martialischer Inschrift. Unter anderem steht dort: „Und finden die Zeichen die Enkel später, hört wie sie stammeln, Gott, nur das Eine, mach uns so eisern, so deutsch wie die Väter.“ Auf dem Sockel stand ein Steinkubus, der jedoch zerstört ist. Weder Vandalismus noch Weltkriegsbomben, sondern Frostschäden haben das Denkmal für das 193. Infanterieregiment in seine Einzelteile zerlegt. Die Stadt Duisburg hat im Herbst 2013 die Steinbrocken eingezäunt. Susanne Stölting, Sprecherin der Stadt Duisburg, erklärte, dass die Restaurierung unabhängig vom 100. Jahrestag des Weltkriegsbeginns sei. Im letzten Jahr, als die Schäden auftraten, hätten schlicht die 20.000 Euro für diese Arbeiten im Etat der Stadt gefehlt, darum wurden sie auf 2014 verschoben. Bis zur Instandsetzung bleiben die Denkmalreste eingezäunt.

Nachdem der Zaun im Herbst 2013 errichtet worden war, nahmen Bürger ihn zum Anlass, auf ihre Art gegen das Denkmal zu protestieren: Sie setzten einen riesigen Plüsch-Eisbär in diesen „Käfig“, sagt Martin Dietzsch. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des „Duisburger Instituts für Sprache und Sozialforschung“, und verfolgt seit Jahren die Kontroversen um die Kaiserberg-Kriegsdenkmäler. Für Dietzsch ist der Eisbär ein politisches Statement. Denn am Bauzaun hing ein Schild, das dazu aufforderte, den Bären mit Liebe zu füttern. Als politische Aussage verstanden es auch Neonazis. Sie verbrannten den Eisbären und hinterließen Aufkleber mit rechtsextremen Parolen. Daraufhin haben Duisburger Bürger wiederum Teddys auf den Sockel gesetzt und konterten mit dem Aufkleber „Nie wieder Krieg“. Ein ständiges Hin und Her zwischen „den Anwohnern und den Neonazis führt dazu, dass sich der Stofftier-Zoo immer wieder verändert“, so Martin Dietzsch. Jedes zerstörte Plüschtier werde durch mehrere neue ersetzt.

Ein Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgäberfürsorge sprach sich gegen eine kritische Auseinandersetzung mit solchen Denkmälern aus.

Wolfgang Held von der Kriegsgräberfürsorge NRW verteidigt die Zurückhaltung: „Wir wollten keine Polemik reinbringen.“ Für ihn sind die Kriegsgräberstätten „wichtige Zeitzeichen“, die erhalten werden müssen. „Sonst wird die Geschichte mit dem Meißel geklittert. Dann ist Geschichte nicht mehr Geschichte.“

Der Gedenkklotz von 1933 wurde nach 1945 tatsächlich mit dem Meißel verändert. Den Sockel zierten zwei Hakenkreuze. War die Entfernung nach Ansicht von Herrn Held eine Geschichtsklitterung?

 

Den vollständigen Beitrag von Sabine Tenta lesen Sie hier: Teddys gegen Kriegsverherrlichung

 

Lesen Sie auch den Artikel von Robin Heun im DISS-Journal 27: 100 Jahre erster Weltkrieg – 40 Jahre diskursive Kämpfe um Kriegsdenkmäler

Und die DISS Online-Broschüre Kriegsdenkmäler als Lernorte friedenspädagogischer Arbeit

 

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